meine liebe Kollegin Shefali & ich
Um mal von vorn anzufangen, schreibe ich am besten als erstes über mein Wochenende in Mount Abu, von wo aus ich ja in meinem letzten Bericht geendet hatte.
Am ersten Juni-Wochenende bin ich für zwei Tage allein nach Mount Abu gefahren, gelegen in der höchsten Bergregion Rajasthans ca. 1300 über dem Meeresspiegel. Die Zeit dort war wahnsinnig entspannend und hat wirklich gut getan, da Indien manchmal ganz schön anstrengend sein kann und man hier selten Zeit für sich hat.
Hin und zurück bin ich mit einem angenehmen Sleeper-Bus gefahren...
...und hatte während der gesamten Zeit in Mount Abu ein großes, günstiges Hotelzimmer für mich allein mitten auf dem Dach eines vor allem auf ausländische Touristen ausgerichteten Hotels namens "Shri Ganesh", in dem es unglaublich guten Bananen-Lassi gab! Am ersten Tag hab ich mich nach dem Frühstück auf den über 3 km langen Weg zu den weltbekannten Dilwara-Tempeln gemacht, fünf unterschiedlich alte, aber architektonisch ähnliche Jain-Tempel aus hauptsächlich weißem Mamor. Ich muss sagen, dass es wirklich der beeindruckendste Tempel ist, den ich bisher gesehen hab - vor allem, weil Wände und Säulen mit unzähligen kleinen und größen Figuren verziert sind, die direkt in den Mamor geschnitzt wurden. Es heißt, dass die Arbeiter nach der Menge des Steinstaubes, den sie abgeschabt haben, bezahlt wurden und allein an dem ältesten und gleichzeitig beeindruckendsten Tempel 14 Jahre lang gebaut haben. Wie bei allen Tempeln muss man vor dem Eingang die Schuhe ausziehen...
... besonders merkwürdig ist aber die Tatsache, dass es Frauen in ihrer Menstruation streng verboten ist, die Tempelanlage zu betreten. Leider durfte man außerdem keine Fotos und musste sogar Kamera und Handy draußen abgeben, deshalb ist hier nur ein Foto aus dem Internet:

Auf meinem Rückweg hatte ich wieder nette Begegnungen mit Indern...
...und bin dann sogar noch eine Runde um den malerischen Nakki-See gelaufen, war danach aber doch ganz schön erledigt.
Auch am zweiten Tag bin ich wieder viel durch Mount Abu-Stadt und die umliegende Gegend gelaufen, hab die Natur und die frische, angenehm kühle Luft genossen...
... habe wieder interessante und lustige Menschen getroffen...
... und habe den Adhar Devi-Tempel besichtigt, der in seinen vielen bunten Farben mehr an eine Behausung für Kinder als an ein religiöses Gebäude erinnert hat. Schön war es aber dennoch, von zwei Indern die Rituale und Bräuche erklärt zu bekommen und zu sehen und noch tiefere Einblicke in den Hinduismus zu bekommen. Nur die vielen aggressiven Affen waren etwas unheimlich.
Nach dem sehr schönen Wochenende ging es am Sonntag Abend im ersten Monsunregen zurück nach Home-Sweet-Home Baroda.
An dem Wochenende danach bin ich nicht weggefahren, weil wir Andreas‘ Geburtstag (ein deutscher Trainee, der bei TATA arbeitet) in seiner und Max‘ Wohnung gefeiert haben. Und es war keine schlechte Entscheidung, der Feier wegen in Baroda zu bleiben, denn die Party entpuppte sich als die beste in meiner bisherigen Zeit in Indien. Irgendwie waren fast alle Trainees aus unserem Bekanntenkreis in Baroda geblieben und auch ein paar neue Gesichter waren dort, so beispielsweise auch unser italienischer Freund Luca. Jedenfalls wurde bis in die Morgenstunden getrunken und getanzt, doch danach war es für einige von uns noch lange nicht vorbei!
Siddhardth, der so wie Piyush und Manthan schon seit Jahren viel Zeit mit den Trainees verbringt, kam im Morgengrauen mit der Idee, aus der Stadt heraus zu fahren, wo einer seiner Freunde ein Grundstück direkt am Fluss hat und dort den Sonnenaufgang anzusehen. Gesagt – getan. Nach einer 20-minütigen chaotischen Horrorfahrt in Siddhardths Auto konnten wir nur staunen, als wir auf dem Gelände mit Palmen, Bananenbäumen und vor allem einem einem großartigen Blick über den Fluss ankamen. Später sind wir dann noch runter zum Ufer gegangen und mit dem Ruderboot rausgefahren und haben uns danach auf den Weg zurück nach Baroda gemacht.
Zum Abschluss einer durchzechten Nacht darf natürlich das Frühstück am nächsten Morgen nicht fehlen und so gab es leckeres Rührei mit Toast bei Andreas. :)
Am Wochenende darauf war es dann wieder Zeit zu verreisen und so sind Kathleen und ich zusammen nach Diu gefahren, einer kleinen Insel im Südwesten von Gujarat, die früher eine portugisische Kolonie war.
Bei sonnigem, aber heißen Wetter, gutem Essen und umringt von Palmen und Stränden verbrachten wir ein wunderschönes Wochenende und haben uns in den zwei Tagen alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Insel angesehen und vor allem eine entspannte Zeit gehabt.
Besonders gefallen haben uns die vielen knallbunten Häuser, die weißen Kirchen, das Meer, die riesige Festung und das Gefühl von Urlaub, das wir das ganze Wochenende über hatten.
indisch-animalisches Stillleben
St. Thomas Church
Kathleen am Strand
Diu Festung
die besten Kokusnüsse überhaupt
Besonders erinnerungswürdig war eine besondere Situation am „Nagoa Beach“, der voll von indischen Touristen war. Wir kauften uns eine Kokusnuss und suchten uns eine Bank, um sie in Ruhe zu trinken, doch Ruhe hatten wir natürlich nicht. Nach und nach kamen immer mehr Inder zu uns und sprachen uns an, wollten Fotos mit uns machen und einige wollten sogar Autogramme haben. Innerhalb von ca. 10 Minuten hatten sich ca. 30-40 Inder um unsere Bank versammelt und redeten wild auf uns ein oder schauen uns einfach nur an. Ziemlich seltsam war die Situation, aber auch irgendwie lustig und als es uns dann zu viel wurde gab es keine andere Möglichkeit, als wegzurennen. Ja, ist schon ein bisschen erbärmlich, wie sehr die Inder nach weißer Haut verrückt sind.
In der Zeit danach bin ich nicht noch einmal über's Wochenende weggefahren, aber ich hatte trotzdem eine gute Zeit mit den anderen Trainees. Vor allem bin ich sehr froh, dass seit Anfang Juni Nils aus Hamburg (den ich übrigens rekruitiert habe ;)) mit dabei ist. Es macht sowohl sehr viel Spaß, mit ihm zu arbeiten als auch mit Ihm zusammen zu wohnen. Seit ungefähr einem Monat ist auch die Lieke nicht mehr da und so es ist etwas mehr Ruhe bei uns eingekehrt, da wir nun nur noch zu dritt im Helios Apartment sind, was eigentlich ganz angenehm ist.
Nils mit Arbeitskollege Mohsin
gemeinsames Mittagessen wie so oft - links TATA-Trainees, rechts das Helios-Team
Die Zeit Ende Juni/Anfang Juli und vor allem die Abende waren viel von gemeinschaftlichem Fußballgucken geprägt. Natürlich hatten wir noch lange keine so gute Stimmung wie zu der WM-Zeit in Deutschland, aber dafür auch sehr viel Spaß zusammen in unserer internationalen Gruppe. Lustig war beispielsweise das Spiel Italien – Slowakei, das wir zusammen mit Luca geschaut haben. Wir haben mit Ihm mitgejubelt und mitgeflucht und es tat uns wirklich leid, als Italien ausscheiden musste. Die besten Spiele waren selbstverständlich die der deutschen Nationalmannschaft, da wir in Baroda ca. 6 bis 7 Deutsche sind und auch die anderen Trainees von der Unterstützung unseres Teams überzeugen konnten. So starteten wir beispielsweise nach dem grandiosen Sieg gegen Argentinien eine Spontanparty und hatten so viel Spaß, dass wir stundenlang in Andreas' Wohnung tanzten.
Auβerdem kann ich noch erzählen, dass seit ca. einem Monat der Monsun richtig in Indien angekommen ist und durch den starken Regen ab und zu wirklich die Straβen überschwemmt sind. Das ist zwar manchmal nicht ganz so angenehm, meistens aber doch ganz lustig, wie das folgende Foto zeigt. Dafür ist das Wetter aber wesentlich angenehmer als vor einigen Monaten, da die Temperaturen nun nur noch zwischen 25 und 35 °C betragen. :)
Die zwei letzten Wochen im Juli waren ziemlich stressig, aber auch wahnsinnig erlebnisreich und interessant. Mein Chef Jigar und ich sind auf Geschäftsreise nach Deutschland gegangen, um ein paar bestehende Partner von Helios Solutions, aber vor allem neue potentielle Kundenunternehmen zu besuchen. Eineinhalb Wochen sind wir in ganz Deutschland herumgetigert und haben insgesamt 15 Termine gehabt, von denen drei Treffen mit Unternehmen der Nils organisiert hat (Schulterklopfer). Das Wochenende haben wir dann mit ehemaligen Trainees in Nijmegen, Niederlande, verbracht und dort eine sehr lustige "Reunion" gehabt. Jigar fährt ungefähr alle drei Monate mit jeweils einem deutschen Trainee in Deutschland und einem niederländischen Trainee in den Niederlanden auf Geschäftsreise mit dem Ziel, existierende Partnerschaften zu vertiefen und neue Partnerschaften in unseren zwei Zielmärkten aufzubauen. Ich hab zwar keinen Vergleich zu anderen solcher Geschäftsreisen, aber ich glaube es waren recht erfolgreiche eineinhalb Wochen. Auf jeden Fall habe ich selbst wieder sehr viel gelernt, über Menschen, Marketing und mich selbst. Wir haben interessante Persönlichkeiten kennengelernt, schöne Orte gesehen und bei einem Treffen durfte ich sogar ganz allein die Firmenpräsentation halten.. und Jigar war sogar sehr zufrieden mit mir, meinte er im Anschluss! :) Das Wochenede in Nijmegen war dann ein guter Abschluss (obwohl wir am Montag noch einen Termin bei einem großen IT-Unternehmen hatten), denn genau als wir dort waren begann ein 6-tägiges Stadt-Festival mit viel Musik und vor allem vielen Menschen. Ich muss aber sagen, dass ich nicht gedacht hätte, dass Holland schön sein kann, denn zumindest diese Stadt hat mir wirklich wahnsinnig gut gefallen.
zurück in Deutschland - schönes Hamburg
Danach war Jigar zusammen mit meinem Kollegen Laurens in den Niederlanden unterwegs und hat auch dort viele Treffen mit existierenden und potentiellen neuen Business-Partnern gehabt. Im Anschluss sind wir zu dritt wieder zurück nach Indien geflogen - jedenfalls hatten wir das vor. In Frankfurt angekommen stellte sich dann aber leider heraus, dass unser Flug gecancelled war und wir über Mumbai fliegen sollten. Alles kein Problem, aber es kam am Ende natürlich dann doch anders. Als Laurens bereits im Flieger nach Mumbai saβ, Jigar und ich aber noch warten mussten, weil wir in dem ganzen Chaos am Flughafen handgeschriebene Tickets hatten, hieβ es dann, dass alle Plätze im Flugzeug besetzt seien und wir so schnell wie möglich zum Flieger nach Delhi gehen sollten, um von dort aus zurück zu fliegen. So hatten wir also im Endeffekt eine sehr anstrengende Reise von über 24 Stunden und waren heilfroh, als wir dann wieder in unserem Baroda ankamen.
Letztes Wochenende war dann wieder wirklich schön, da wir sowohl mit 8 Trainees einen eintägigen Ausflug in einem Jeep zu einem Wasserfall in der Naturregion von Champaner gemacht haben als auch Manthans Geburtstag im Rahmen einer lustigen Bad Taste-Party bei Andreas gefeiert haben. Hier ein paar Impressionen:
Tagesausflug nach Champaner
auf dem Weg zu Manthan's Party / Bad Taste Party
Andreas - heimlicher Gewinner des Bad Taste-Contests
wir alle mit selbstgemachten Manthan-Masken - Bad Taste eben ;)
Schon in einer Woche ist es bereits soweit, dass meine Eltern nach Indien kommen und wir dann gemeinsam zwei Wochen lang den Norden Indiens bereisen werden. Von Baroda nach Udaipur nach Jaisalmer nach Jodhpur nach Delhi nach Haridwar nach Rishikesh nach Ahmedabad. Das wird super! :)
Und danach sind nur noch zwei Wochen meines Aufenthalts in der fremden Kultur übrig.. und dann geht es schon wieder zurück ins geschätzte Deutschland weiter mit dem nächsten Semester des Studiums. Wie die Zeit verfliegt...

was ein toller blog. mir fehlen nur die bilder deines besuches in bremen!!!
AntwortenLöschenviele liebe grüße von robel aus bremen
Wie ich gehofft habe, dass die wieder einen Kommentar gepostet hast... Es ist sehr schön zu lesen, dass es dir gut geht und du weiterhin Spaß in Indien hast.
AntwortenLöschenDas letzte Wochenende war ich das erste Mal draußen Klettern; undzwar in der Sächsischen Schweiz. Wir hatten super Wetter, keine von uns hat sich verletzt und geschlafen haben wir in einer Boofe (kleine Höhle am Berg).
Übernächste Woche geht's dann zum Berlin Festival. Darauf freue ich mich schon ganz besonders. Das Line-Up ist einfach der Hammer!
Im März spielen die Beatsteaks in der Arena. Eine Karte dafür hab ich auch schon. Ich würde mich freuen, wenn du auch kommst.
bis denne
Felix
P.S.: schreib mir doch mal über Studi oder per mail zurück.