Doch auch die letzten Wochen waren wieder recht spannend und mal schön und mal nicht so schön, aber auf jeden Fall nie langweilig.
... Swimming Pool im Alkapuri Club - der geheime Ort der Trainees
... kleine von mir organisierte Party auf Piyushs Dach
... lustige Begegnungen
... (un)regelmäßiges gemeinsames Abendessen
... das frischeste Obst gibt's auf der Straße
Im Verlaufe dieses Monats sind nach und nach immer mehr neue Trainees nach Baroda gekommen - die meisten von ihnen aus Deutschland. Zuerst kam unser neuer niederländischer Kollege und Mitbewohner Laurens, mit dem man recht gut auskommt und der sich hier schon sehr gut eingelebt zu haben scheint. Außerdem sind da noch Sebastian aus München, der jetzt in meinem ehemaligen Unternehmen arbeitet, Kathleen aus Bamberg, die für ein ganzes Jahr bleibt und bei TATA tätig ist, Christian aus Wuppertal, der auch bei TATA arbeitet, Immanuel aus Frankreich und Lilly, ebenfalls aus Frankreich. Doch wie das so ist in der Trainee-Community muss auch immer jemand gehen wenn neue Leute kommen und so wird morgen unsere liebe Julianna - von Piotr, der uns leider demnächst auch verlässt, liebevoll "Chinatown" genannt - zurück nach Peking fliegen. Zumindest Piotr, Gül und ich haben sie so lieb gewonnen, dass wir bestimmt mal nach China kommen werden, um sie zu besuchen.
Gül & Julianna
Ansonsten waren wir, das sind Gül, Kathleen, Laurens und ich, letztes Wochenende endlich mal wieder auf Reisen. Da letzten Freitag eine lustig-verrückte Halloween- bzw. Kostümparty bei Manthan zu Hause mit viel Musik und besonders viel Melonen-Bowle war und wir den nächsten halben Tag erstmal zur Regeneration brauchten...
Piotr & ich
...haben wir uns dann erst Samstag Abend auf nach Palitana gemacht. Dieser Ort in Gujarat ist besonders dafür bekannt, dass sich dort auf einem Berg eine kleine Art Stadt fast nur aus Tempeln bestehend befindet. Die erste Hürde war schon die Hinreise, auf der wir erst mit einem klimatisierten Reisebus nach Bhavnagar gefahren sind und dort angekommen erstmal mitten in der Nacht eine Stunde lang auf dem öffentlichen Busbahnhof warten mussten - eine spezielle Erfahrung.
In Palitana kamen wir dann nach einer holprigen Reise mit einem öffentlichen Bus kurz nach dem Sonnenaufgang an und machten uns sofort auf den anstrengenden Weg über die 3200 Stufen bis auf die Spitze des Berges mit den über 1300 Jain-Tempeln.
Seit ich in Indien angekommen bin habe ich noch nie solche Ruhe und Friedlichkeit genossen wie an diesem Ort, an dem sich bis auf uns keine Touristen, sondern nur Pilger und Einheimische befanden.
Die Erkundungstour durch die zahlreichen verschieden großen Tempel überzeugte uns dann davon, dass es sich gelohnt hatte die 3,5 km in dem heißen Wetter nach oben zu laufen, denn sowohl die Architektur der heiligen Gebäude mit den vielen filigranen Götterabbildungen als auch der Ausblick ins Tal waren umwerfend!
Eine weitere interessante Erfahrung war, nach der schlaflosen Nacht durch die anstrengende Anreise im Schatten eines Tempels ein paar Stunden auf dem kühlen Mamorsteinboden zu schlafen.
Nach ein paar netten Interaktionen mit Einheimischen...
...haben wir uns dann schon wieder auf den Rückweg ins Tal gemacht, der sich durch die Mittagshitze mit brennender Sonne und 45°C als noch anstrengender herausstellte, als der Hinweg. Um ganz ehrlich zu sein – ich habe noch nie in meinem Leben außerhalb einer Sauna so geschwitzt! Durch gute Wasserversorgung auf dem Weg haben zum Glück alle bis zum Ende durchgehalten und dann waren wir ziemlich stolz auf uns, als wir wieder gut unten ankamen.
Nach einer kleinen Erfrischung durch vor unseren Augen gepressten Zuckerrohrsaft ging’s dann abenteuerlich über Umwege und per öffentlichem Bus nach Baroda, weil es keine andere Möglichkeit gab. So fuhren wir von der ansonsten kleinen schmutzigen Stadt Palitana zuerst wieder nach Bhavnagar, von dort aus nach Ahmedabad und dann nach Home-Sweet-Home Baroda. War schon mal eine Erfahrung wert, dieser Wochenendtrip. :)
Ansonsten habe ich in der letzten Zeit oft deutsche Kunden betreut, die uns im Unternehmen besucht haben. Zuerst war da ein netter Herr aus Bonn, der für zwei Wochen da war und die Zusammenarbeit mir uns sowie die Zeit in Indien sichtlich genossen hat.
Sein letzter Abend in Baroda wurde dann auch noch mit dem glücklichen Zufall gekrönt, dass wir zufällig auf einer indischen – speziell Rajasthani – Hochzeit gelandet sind. Obwohl wir erst nur vom Rand zugeschaut haben, wie die Hochzeitsgesellschaft mit Ihren bunten glitzernden Gewändern um ein Pferd mit dem Bräutigam darauf tanzte, wurden wir nach ein paar Minuten promt angesprochen und sollten mit tanzen. Danach wurden wir auch auf das restliche Fest eingeladen, wo wir erst an einem großen Buffet leckeres indisches Essen bekamen und danach sogar an der zweistündigen Zeremonie mit unzähligen Ritualen und Mantras teilnehmen durften, bis das Brautpaar letztendlich verheiratet war.
Lieke, Laurens & Gül beim Tanzen
der stolze Bräutigam
Hochzeitsgäste aus Rajasthan
die Zeremonie
Unser anderer Kunde heißt Simon, kommt aus der Nähe von Frankfurt und ist erst Mitte 20. Er ist ein wirklich netter Mensch und ich bin immer ziemlich beeindruckt von den vielen Ideen die er so hat. Das Gute daran, Kunden zu betreuen die das Unternehmen besuchen ist, dass man dann sehr oft in den Genuss kommt, auf Kosten der Firma in sehr guten Restaurants zu essen. :D
Oft habe ich ihn aber am Abend allein unterhalten, weil Jigar nicht immer die Zeit dazu hatte. So sind wir auch mal einfach nur zu McDonalds oder eine Kokusnuss trinken gegangen, aber das war auch immer völlig okay. Gestern Abend ist er dann nach 10 Tagen Aufenthalt in Baroda wieder abgereist. Wie er gesagt hat wäre er gerne noch länger geblieben, doch das Geschäft in Deutschland läuft ja nun mal weiter und wir sind uns hier in der Firma sicher, dass wir das Projekt auch ohne ihn gut und erfolgreich durchführen können.
Letztes Wochenende hab ich mit Gül, Kathleen und Lilly in Ahmedabad verbracht, weil sich das gut angeboten hat, da unser Chef im Urlaub war und Gül und ich unseren Kunden Simon dadurch am Sonntag Abend vom Flughafen abholen und mit diesem Essen gehen sollten.
Sehr schön und besonders ruhig und friedlich fand ich den Ashram von Mahatma Gandhi, wo der friedliebende Geistliche von 1915 bis 1933 gelebt und gewirkt hat. Ich kann schon sagen, dass es ein sehr inspirierender schöner, aber einfach gehaltener Ort ist.
Später sind wir dann los in die Altstadt, wo wir uns die vielen bunten Geschäfte angesehen und unseren ersten Elefanten auf der Straße gesehen haben – er war riesig!
Seltsam war nur, als uns drei Mädels dann plötzlich ein paar Frauen an sich zogen und hektisch damit begannen, mit Hennafarbe und geschnitzten Stempeln eine Art Mehndi zu verpassen, das sind die Körperbemalungen an Händen und Armen, die sich viele Frauen in Indien machen lassen und die als besonders schön gelten. Wir waren zwar zunächst total überrumpelt von der Dreistigkeit der Frauen, weil sie dann natürlich Geld für das Amateur-Mehndi haben wollten, aber dann fanden wir's doch irgendwie ganz cool. Sogar jetzt nach über zwei Wochen hab ich noch etwas von der Farbe auf dem Arm. Ich hab dann allerdings kein Geld für das Mehndi gegeben, da die Frauen das ja gegen unseren Willen gemacht haben, aber ich hab mir nach einigem Verhandeln die Stempel und die Henna-Farbe gekauft, weil mir das irgendwie gefallen hat.
Die alten Märkte der Altstadt fanden wir auch ziemlich klasse und haben mit den vielen bunten Kleidungs- und Schmuckläden zum Shoppen eingeladen.
Weil wir dann außerdem noch ein paar bedeutsame Gebäude sehen wollten, sind wir danach zu verschiedenen Moscheen gelaufen und waren besonders beeindruckt von der großen Jama Masjid Moshee, genannt Freitagsmoschee, die ich zum Glück auch ohne Kopftuch betreten durfte. Man muss dazu sagen, dass Ahmedabad muslimisch geprägt ist, wodurch es sehr viele Moscheen gibt.
Jama Masjid
Am Abend wollten wir nach einer kurzen Pause eigentlich noch etwas essen gehen aber mir war dann irgendwie so schlecht und schwindlich, dass ich auf dem Weg in die Stadt direkt wieder umgedreht bin und mich ins Bett gelegt hab. Zu allem Übel hab ich mich dann auch noch übergeben und selbst am Sonntag ging es mit so schlecht, dass ich den Tag im Hotelzimmer verbringen musste. Das war er also – mein erster Sonnenstich! ;)
Nach ein paar Tagen war ich dann aber wieder vollständig regeneriert, also alles wieder gut.
Ein weiteres Highlight aus der letzten Zeit fand letzte Woche Dienstag statt, als ich schon auf meiner zweiten indischen Hochzeit war. Die Schwester meines Arbeitskollegen Vishal sollte verheiratet werden und zu diesem Anlass war auch das gesamte Unternehmen eingeladen. Mein Arbeitskollege Dhrumit war so nett, mich auf seinem Motorrad mitzunehmen, weil das Fest ziemlich weit außerhalb des Stadtzentrums stattfand.
Dhrumit
Diese Hochzeit war noch viel größer, beeindruckender und mit noch mehr Musik und Tanz als die letzte, denn die Familien des Brautpaars hatten keine Kosten und Mühen gescheut und so ein großes Gelände gemietet und ca. 1000 Gäste eingeladen.
Natürlich durfte auch eine beleuchtete Pferdekutsche, ein lautes Trommelorchester und ein großes Buffet nicht fehlen, denn in Indien gilt die Größe einer Hochzeit auch als Statussymbol.
Und es war auch besonders schön, nicht auf einer fremden Hochzeit zu sein, sondern als geladener Gast mit den indischen Arbeitskollegen die gute Laune aller Beteiligten zu genießen.
Abendessen vom Buffet mit den Kollegen
Ich persönlich war natürlich besonders beeindruckt von der coolen Trommelmusik, zu der die Verwandten des Brautpaars in ihren schillernden Kleidern mehrere Stunden lang tanzt haben, bis die eigentliche Zeremonie begann. Wir sind dann allerdings schon eher zurück nach Hause gefahren, weil wir die traditionellen langwierigen Handlungen, um das Brautpaar zu verheiraten, ja bereits gesehen hatten.
die gut gelaunte Braut
das Brautpaar
Die restliche letzte Woche war recht unspektakulär und nicht sonderlich erwähnenswert, bis auf dass unser neuer Helios-Trainee Nils aus Hamburg angekommen ist, den ich vor einigen Wochen rekruitiert hatte. Er scheint ein ziemlich umgänglicher und netter Zeitgenosse zu sein, was mich natürlich sehr freut, da man ja zwangsläufig immer recht viel Zeit miteinander verbringt, wenn man zusammen wohnt und arbeitet.
Das letzte Wochenende hab ich allein in Mount Abu in Rajasthan verbracht, wo es etwas kühler und grüner ist als in Baroda und es u.a. viele Tempel und einen hübschen kleinen See zu sehen gibt. Die Zeit dort hat wirklich gut getan, weil der Ort in den Bergen total schön und erholsam ist und ich die Zeit für mich mal wirklich gebraucht habe.
Darüber schreibe ich aber dann in dem nächsten Bog-Eintrag, das soll’s erstmal gewesen sein. :)
Ich hoffe es geht euch allen in Deutschland (und einigen meiner Kommilitonen im Rest der Welt) gut und ihr lasst euch von den vielen Diskussionen über die Euro-Kriese und Griechenland, sowie den zurückgetretenen Bundespräsidenten nicht unterkriegen, sondern freut euch lieber noch über den Sieg von Lena und auf die bevorstehende WM. ;)
Eure Anja aus Indien

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