Vom 12. - 28. August sind wir zusammen in dem faszinierenden Chaos-Land herumgereist. Wir haben tolle Dinge gesehen, interessante Menschen kennengelernt und seit langem mal wieder mehr Zeit miteinander verbracht, aber auch viel über uns selbst gelernt und unseren Horizont erweitert. Auch wenn es nicht immer einfach für meine Eltern war - und dessen war ich mir im Prinzip schon vorher bewusst - haben sie sich beide gut geschlagen und den Norden Indiens von all seinen Seiten kennengelernt.
Nach Ankunft der Eltern haben wir die ersten drei Tage zunächst in Baroda verbracht, wo Sie netterweise im Gästehaus von meinem Chef Jigar wohnen durften. Ich habe Ihnen die Stadt, den Laxmi Vilas Palast und mein indisches Zuhause gezeigt, war mit Ihnen typisch nordindisch essen, habe mit ihnen zusammen einen Bollywood-Film auf Hindi gesehen ("Once Upon A Time In Mumbai") und habe Ihnen meine Kollegen vorgestellt. Am letzten Tag in Baroda hat uns Jigar dann noch zum Thali-Essen eingeladen, was meinen Eltern auch sehr gefallen hat. Von unserer Wohnung waren sie nicht so begeistert, aber als junger Mensch kann man sich dort gut einleben und es sich auch ein bisschen schön machen, alles kein Problem. Es sind eben keine westliche Standards, das muss sich jeder klarmachen, der nach Indien kommt. Jedenfalls waren die ersten Tage meiner Eltern in Indien mit all den neuen Eindrücken ziemlich schön und interessant.

Nils und ich bei der Arbeit

meine Kollegen

Mittagessen im Cherries

mit Paps vor unserer besten Mall

Gujarati Thali
Nach dem gemeinsamen Aufenthalt in Baroda begann dann also unsere Reise:
1. Station: Udaipur in Rajasthan, auch bekannt als die "weiße Stadt", "die Stadt der Seen" oder auch "die romantischste Stadt Indiens". Und wirklich, anders als zu meiner letzten Reise nach Udaipur waren die Seen voller Wasser und die Stadt etwas grüner als zuvor. Meine Eltern haben den Palast, die Altstadt Udaipurs und natürlich die Ausblicke auf die Seen genossen. Noch dazu hatten wir ein sehr gutes, aber auch teures Hotel namens "Udai Kothi" mit einem Pool auf dem Dach und Schalen mit Blütenblättern, die im ganzen Gebäude verteilt waren.

unser Hotel mit Aussicht auf Udaipur


Badespaß an einem Ghat des Pichola-Sees

Chai-Wallah



Abendstimmung in Udaipur
2. Station: Jaisalmer, auch bekannt als "die goldene Stadt", die in der Wüste Thar weit im Westen des Landes gelegen ist. Der weg dorthin war anstrengend und anders als geplant, da wir aus Zeit- und Kostengründen mit einem Sleeper-Bus gefahren sind, der am späten Abend aus Udaipur startete. Leider waren die Straßen sehr schlecht und die Fahrt weitaus länger als geplant, sodass wir nach der Ankunft am nächsten Tag gegen 13 Uhr einfach nur froh über eine Dusche und etwas ordentliches zu essen waren. Danach ging's auch sofort weiter mit eine halbtägigen Kameltour zu einer großen Sanddüne in der Wüste, was definitiv eins der Highlights der Reise war. Am nächsten Tag haben wir uns mit dem von Nils empfohlenen Stadtführer Raju die riesige Sandstein-Festung, in der noch immer zwischen 4000 und 5000 Menschen leben, und die vielen großen Havelis (sowas wie Herrschaftshäuser) angesehen, bevor es mit einem Taxi nach Jodhpur ging.









3. Station: Jodhpur, auch bekannt als "die blaue Stadt". Leider ging es meinem Paps ganz und gar nicht gut, da er sehr mit Verdauungsproblemen zu kämpfen hatte und deshalb die ganzen zwei Tage in unserem tollen Hotel mit Garten und Pool verbracht hat. Wenigstens meine Mom und ich sind dann mal los und haben uns die riesige Festung auf einem Berg inmitten der Stadt angesehen. Sehr eindrucksvoll, kann ich nur sagen. Von dort konnte man dann auch richtig gut sehen, warum Jodhpur als blaue Stadt bekannt ist.


die Festung von außen

die Festung von innen

zufälliges Treffen mit Luca und seiner Freundin, die im selben Hotel waren wie wir
4. Station: Delhi. Ok, viel gibt es hier eigentlich nicht zu berichten. Das einzige, was ich von Delhi eigentlich nur schreiben möchte ist, dass große Teile der Stadt wegen der anstehenden Commonwealth Games zerstört ist und fast alle Leute, mit denen wir irgendwie zutun hatten, entweder total unfreundlich waren oder uns über den Tisch gezogen haben. Es ist nicht so, dass wir die Stadt mit seinen Sehenswürdigkeiten nicht kennenlernen wollten, wir haben es ja versucht. Doch dann haben wir ernsthafte Erfahrungen mit Rassismus gegen Weiße, Intoleranz von Moslems und der extremst ausgereiften Riksha-Mafia gegen Touristen gemacht. Dann wurde meinem Vater in Old Delhi auch noch das Portemonee geklaut und es war alles zu spät. Ein kleiner Lichtblick bestand aus einem sehr netten und besorgten Sikh, der speziell mich wieder aufheitern und uns seinen goldenen Tempel zeigen wollte. Dieser abendliche Ausflug in den Sikhismus hat uns dann doch gezeigt, dass es auch schöne und vor allem friedliche Orte in Delhi geben kann und wir sind diesem Mann, der da so aus dem Nichts auftauchte, sehr dankbar.

Pahar Gunj, ganz toller Stadtteil..


Red Fort

schönes Delhi

Kabelsalat in Old Delhi

der Sikh-Tempel & Kennenlernen einer interessanten Religion


5. Station: Agra. Endlich - das Taj Mahal. Die Fahrt von Delhi nach Agra war wie so oft durch ungünstige Verkehrsbedingungen eher anstrengend und wir waren froh, als wir gegen Mittag endlich in Agra ankamen. Die Besichtigung des Taj Mahals war allerdings allen Stress von Delhi und der Fahrt wert, denn das angeblich schönste Gebäude der Welt ist wirklich sehr eindrucksvoll. Lustig waren auch die vielen Inder und Inderinnen, die sich aus was auch immer für Gründen mit mir fotografieren wollten. Nur die Fahrt zurück war leider sehr ärgerlich, da der Fahrer nur gemacht hat, was er wollte uns somit nicht dort angehalten ist, wo wir wollten, sondern dann nur zu einem Motel gefahren ist, wo er heimlich eine dreiviertelstündige Pause gemacht hat, um gemütlich sein Abendessen zusich zu nehmen. Und wir mussten im Regen stehen und warten. Später haben wir noch für fast zwei Stunden in einem sinnlosen Stau rein vor Delhi durch idiotisches indisches Fahrverhalten verursacht festgesteckt und haben grad so noch 1 Uhr nachts in Delhi etwas zu essen bei McDonalds bekommen.
Trotzdem: Für das Taj Mahal hat sich auch das gelohnt!

ein grauer Wegbegleiter

Schlangenbeschwörer auf dem Weg nach Agra


die Grabmähler von Shah Jahan und Mumtaz Mahal


Blitzlichtgewitter ;)


6. Station: Rishikesh, gelegen am Fuße des Himalaya, bekannt als die Welthauptstadt des Yoga. Auch der Weg hierhin war eine kleine Herausforderung, mal wieder ausgehend von Delhi, da wir erst mit dem Zug nach Haridwar gefahren sind, um dann am Abend mit dem Taxi nach Rishikesh zu fahren. Leider hatte der Zug ganze zwei Stunden Verspätung, wodurch wir erst nachts in Haridwar ankamen. Wir waren wieder reichlich frustriert, aber zum Glück hat dann doch noch alles geklappt.
Die eineinhalb Tage, die wir in der kleinen religiös und spirituell geprägten Stadt am Ganges verbracht haben, waren sehr erholsam und haben uns nach dem anstrengenden Aufenthalt in Delhi verdammt gut getan. Wir haben uns verschiedene Tempel angesehen, einen Spatziergang am Ganges gemacht und uns in gemütlichen Lokalen das gute Essen schmecken lassen. Allein schon die Atmosphäre der in grünen Bergen gelegenen Stadt wirkt irgendwie beruhigend.








7. Station: Haridwar, eine der sieben heiligen Pilgerstädte Indiens, ebenfalls gelegen am Ganges. Hier haben wir nur einen halben Tag verbracht, da die Stadt ansich nicht besonders schön ist und wir uns aber die heiligen Waschungen im Ganges, sowie die täglich durchgeführte Zeremonie am Abend ansehen wollten. Es heißt, dass jeder Hindu mindestens einmal nach Haridwar reisen sollte, um sich dort in dem heiligen Gangeswasser zu waschen, um sich von seinen Sünden zu befreien. Auch mein Vater und ich konnten nicht wiederstehen und sind im Ganges baden gewesen, allerdings nicht an den populären Ghats, in denen sich die Inder waschen, sondern in unserer Hotelanlage, deren Garten direkt am Gangesufer gelegen war.
Bei der abendlichen Zeremonie wurde dann gemeinsam gebetet und überall wurden kleine und große Blumenschalen aus Blättern und mit einer Kerze darin verkauft, die die Menschen 19 Uhr auf den Ganges gesetzt haben. Außerdem gab es lauten Gesang und es wurden mehrere Feuer angezündet, an die die Menschen Ihre Hände gehalten und dann die Wärme über dem Gesicht und dem Körper verteilt haben, um sich auch mithilfe des heiligen Feuers zu reinigen. Meine Eltern und ich fanden das alles sehr spannend und haben natürlich auch alles mitgemacht. Jetzt sind wir eben auch von unseren Sünden befreit. :)










8. Station: Ahmedabad, die größte Stadt in Gujarat und 15 Jahre lang Wohnort von Mahatma Ghandi. Von Haridwar aus sind wir mit dem Zug wieder nach Delhi gefahren, von wo aus wir schnell und kompfortabel nach Ahmedabad geflogen sind. Dort haben wir den letzten Tag der gemeinsamen Reise verbracht, bevor meine Eltern von Ahmedabad aus wieder zurück nach Deutschland geflogen sind. Wir haben zusammen die Altstadt und die große Freitagsmoschee (Jama Masjid) besichtigt und waren natürlich auch in dem friedlichen Ashram von Mahatma Gandhi, dem sogenannten "Harijan Ashram", wo wir in einer dort ansässigen NGO ein großes Paket Kleidung gespendet und von den Kindern eine niedliche "Dankeschön-Blume" erhalten haben. Am Ende des Tages mussten wir uns nach der erlebnisreichen Reise voneinander verabschieden und somit habe ich mich mit dem Zug auf den Weg zurück nach Baroda und meine Eltern auf den Weg zum Flughafen gemacht. Und auch wenn die Reise nicht immer angenehm und erholsam war, so war sie doch die vielen gemeinsamen Eindrücke und Erlebnisse wert.

in der Jama Masjid



Harijan Ashram


schöne Idee

Dankeschön-Blume

Ahmedabad-typisches Verkehrschaos

Abschied
